Der Umzug ist in groben Zügen hinter uns.
Seither plagt uns wieder sehr die Vergangenheit.
Gestern war es vor allem der Verlust einer riesigen Familie, der uns besonders zu schaffen machte.
Wir sind so traurig darüber. Wir weinten bitterlich. Die Kinder fragen sich: "Was stimmt nur mit mir nicht, dass sie mich nicht lieben, ja, dass ich ihnen egal bin?"
Innenkinder trösten zu müssen bricht einem genauso das Herz wie Außenkinder trösten zu müssen.
Ich verbringe immer noch viel zu wenig Zeit im Innen. Viel zu wenig Zeit, zu sehen, wie es allen geht, zu trösten, zu lachen, zu reden.
Es fühlt sich immer noch komisch an, dass die Türen nach dem Innen jetzt wieder weit offen stehen, dass ich ihre Stimmen wieder hören darf.
Ich kann mich an eine Zeit in meiner Pubtertät erinnern, in der ich feststellte, dass in mir so viel Schmerz war, in mir die Stimmen nicht "normal" waren und dass ich die Türen schließen konnte.
Ich erinnere mich noch genau, dass ich jede Nacht vor dem Einschlafen die Zeit damit verbrachte, die Türen zu schließen, jede Nacht auf's Neue. Ich baute mir einen Turm und in diesen schloss ich mich ein und lebte fortan ohne Stimmen. Jedoch nicht ohne Schmerz, wovon die Narben, die ich trage, ein grausamer Zeuge sind.
Dass die Türen eines Tages wieder aufbrechen würden, dass ich all meine Innenanteile nicht ewig verschließen können würde, das war mir damals nicht klar. Ich verstand nichts von multipler Persönlichkeit, ich wusste nicht, was das bedeutete, und schon gar nicht, dass ich so etwas hatte.
Ich wusste nur eines: der Schmerz und der Lärm in meinem Kopf mussten aufhören.
Einfach aufhören.
Also tat ich das erst-beste was mir einfiel und verschloss mich.
So etwas darf nicht noch einmal passieren. Ich darf das nicht zulassen, aber dennoch finde ich es eigenartig, nach Innen zu gehen.
Ich weiß jetzt, dass diese Stimmen - diese Personen, die mit mir meinen Körper bewohnen - getröstet werden können, dass man mit ihnen reden kann.
Dennoch ist es schwer, denn der Schmerz ist natürlich wieder genauso heftig da wie vorher, da es jahrelang keine An- und Aussprache gab, jahrelang niemand getröstet wurde und einige Wahrheiten einfach nicht realisiert wurden.
Dass wir jetzt sicher sind, wird langsam einigen innen klar. Dass die Welt anders ist, als wir sie uns vorgestellt haben, dass wir diesen ständigen Schmerz nicht verdienen, das wird einigen auch schön langsam klar.
Aber wie leben, wenn im tiefen Inneren immer noch Anteile verborgen sind, denen diese Dinge nicht klar sind?
Genau diese Anteile muss ich finden, ... finden und retten.
Eine große Aufgabe.
Sonntag, 19. August 2012
Dienstag, 14. August 2012
umzug
Der Stress baut sich auf, ist innerlich in mir wie ein blauer Fleck, an dem ich immer und immer wieder anstoße, immer und immer größer wird der Druck, immer unangenehmer, bis es fast schmerzhaft ist.
Meine Lieblingsbücher und meine Katzen übersiedeln zu meinem Freund.
Meine Wohnung behalte ich, aber dennoch, es erzeugt so viel Stress.
Überall Kisten, überall Chaos.
Wie war das mit meinem Rückzugsort? Schnell, Thera, erinnern Sie mich doch noch einmal.
Was wird sie wohl heute dazu sagen, wenn ich ihr erzähle, dass ich zu H ziehe? Wird sie die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und sagen, Frau xy, hatten wir nicht ganz was anderes besprochen?
Aber ich halte es dennoch für eine wunderbare Idee. Weniger Stress, weniger hin- und herfahren, weniger Stress auch für die Katzen, wenn sie wieder jede Nacht jemanden um sich haben, und nicht nur sporadisch und sonst untertags. Sie brauchen uns.
Es war einfach der richtige Zeitpunkt gekommen.
Und irgendwie ist es ja auch aufregend! Meine schönen, wunderbaren Bücher! Sie neu eingereiht und schön in Reih und Glied stehend zu sehen, in einer unbekannten Umgebung - wie wundervoll!
Nicht nur, dass ich während des Umräumens daran erinnert wurde, welch schöne Abenteuer ich schon erlebt habe, während ich sie las, sondern es gibt mir auch einiges an Beruhigung, sie um mich zu haben, in dieser neuen, anderen, nun auch teils meiner eigenen Wohnung.
Es ist eine gute Sache.
Ich muss nur den Stress irgendwie loswerden, den es erzeugt, sich entscheiden zu müssen: welche Bücher? Welche Sachen? Was nehme ich mit, was lasse ich da?
Und die Kisten überall. Und das runter- und rauftragen. Es ... brrr ... es erzeugt so viel Stress.
Und wie geht es den anderen Innen? Da gibt es viele gemischte Gefühle.
Aufregung, ein neues Abenteuer, eine neue Umgebung, die wir gestalten dürfen! Toll!
Und dann noch: Angst. Wir haben fast 5 Jahre gebraucht uns in dieser Wohnung endlich wohl zu fühlen. Sicher zu fühlen.
Aber vielleicht hilft es ja, wenn H da ist, dem wir vertrauen, den wir mögen und den einige von uns lieben.
Vielleicht hilft das ja wirklich.
Ach noch so viel zu tun.
Ich sollte schön langsam meine Pause beenden, eines der Katzenklos leeren und schauen, dass meine Katzen alles mithaben, was sie brauchen, denn mein Hund fühlt sich bereits wie zu Hause in Hs Wohnung. Jetzt müssen sich nur noch die Katzen wohlfühlen.
Das kriegen wir schon hin. Wird schon klappen.
Tief durchatmen. Morgen ist der größte Stress auch schon wieder vorbei. Wir bekommen das alles auf die Reihe.
Meine Lieblingsbücher und meine Katzen übersiedeln zu meinem Freund.
Meine Wohnung behalte ich, aber dennoch, es erzeugt so viel Stress.
Überall Kisten, überall Chaos.
Wie war das mit meinem Rückzugsort? Schnell, Thera, erinnern Sie mich doch noch einmal.
Was wird sie wohl heute dazu sagen, wenn ich ihr erzähle, dass ich zu H ziehe? Wird sie die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und sagen, Frau xy, hatten wir nicht ganz was anderes besprochen?
Aber ich halte es dennoch für eine wunderbare Idee. Weniger Stress, weniger hin- und herfahren, weniger Stress auch für die Katzen, wenn sie wieder jede Nacht jemanden um sich haben, und nicht nur sporadisch und sonst untertags. Sie brauchen uns.
Es war einfach der richtige Zeitpunkt gekommen.
Und irgendwie ist es ja auch aufregend! Meine schönen, wunderbaren Bücher! Sie neu eingereiht und schön in Reih und Glied stehend zu sehen, in einer unbekannten Umgebung - wie wundervoll!
Nicht nur, dass ich während des Umräumens daran erinnert wurde, welch schöne Abenteuer ich schon erlebt habe, während ich sie las, sondern es gibt mir auch einiges an Beruhigung, sie um mich zu haben, in dieser neuen, anderen, nun auch teils meiner eigenen Wohnung.
Es ist eine gute Sache.
Ich muss nur den Stress irgendwie loswerden, den es erzeugt, sich entscheiden zu müssen: welche Bücher? Welche Sachen? Was nehme ich mit, was lasse ich da?
Und die Kisten überall. Und das runter- und rauftragen. Es ... brrr ... es erzeugt so viel Stress.
Und wie geht es den anderen Innen? Da gibt es viele gemischte Gefühle.
Aufregung, ein neues Abenteuer, eine neue Umgebung, die wir gestalten dürfen! Toll!
Und dann noch: Angst. Wir haben fast 5 Jahre gebraucht uns in dieser Wohnung endlich wohl zu fühlen. Sicher zu fühlen.
Aber vielleicht hilft es ja, wenn H da ist, dem wir vertrauen, den wir mögen und den einige von uns lieben.
Vielleicht hilft das ja wirklich.
Ach noch so viel zu tun.
Ich sollte schön langsam meine Pause beenden, eines der Katzenklos leeren und schauen, dass meine Katzen alles mithaben, was sie brauchen, denn mein Hund fühlt sich bereits wie zu Hause in Hs Wohnung. Jetzt müssen sich nur noch die Katzen wohlfühlen.
Das kriegen wir schon hin. Wird schon klappen.
Tief durchatmen. Morgen ist der größte Stress auch schon wieder vorbei. Wir bekommen das alles auf die Reihe.
Donnerstag, 9. August 2012
In einem dunklen Ort gefangen
Die letzte Woche war keine gute. Ich war an einem dunklen, feuchten, kalten Ort gefangen innerlich. Erst in der Therapie konnte ich mich von dort lösen und an einen Ort zurück gehen, der wesentlich angenehmer war.
Was war der Auslöser? Fragen über die Vergangenheit. Einiges liegt noch im Dunkel verborgen. Anderes ist bereits ans Licht gebracht, jedoch kehren Innenanteile immer wieder an diese Orte der Erinnerung zurück, weil sie es schwer finden an die Sicherheit im heutigen Außen zu glauben, es schwer finden sich hier zu verankern, es schwer finden Geborgenheit anzunehmen.
Glücklicherweise gibt es dann so tolle Therapeuten wie meine, und so tolle Freunde, wie ich sie habe.
In der Nacht vor der Therapie wurde ich von Alpträumen vermischt mit Flashbacks geplagt. Immer wieder wachte ich schreiend auf. Immer wieder das Wort: "NEIN!"
Mein Freund blieb wach an meiner Seite, streichelte mir den Rücken, war für mich da. Redete mir zu. Er ist einfach wundervoll und ich bin froh ihn zu haben.
Es muss schwer für ihn sein.
Seit meinem Therapietag geht es glücklicherweise wieder viel viel besser. Ich bin wieder lebensfroher, entspannter und glücklicher.
Wieviel es ausmachen kann einen Ort im Innen zu verlassen, ihn zurückzulassen, wieder in Sicherheit zu sein - selbst im Innen.
Ich weiß noch viel zu wenig über meine innere Landschaft. Das wurde mir in den letzten Tagen immer wieder klar. Ich weiß zu wenig über meine Innenanteile, meine "headmates". Ich beschäftige mich zu wenig mit ihnen.
In den letzten Monaten war ich so glücklich im Außen, konnte mir eine stabile Beziehung aufbauen, konnte meine Freundschaften vertiefen, dass ich die meiste Zeit ignorierte, was Innen geschah.
Mir ist klar, dass das letztendlich zu Desaster wie eben in der letzten Woche führt. Mir ist auch klar, dass es zu noch mehr Chaos im Innen führt, als sowieso schon vorhanden ist.
Dennoch fällt es mir schwer, mich mit all dem auseinander zu setzen.
Ich wäre so gerne frei. Frei von meiner Vergangenheit, frei von den UNTaten meiner Verwandten und dem Nichts-Tun der Zeugen. Ich wäre so gerne frei von den dunklen Orten an die mich die Täter gebracht haben.
Ich weiß der Weg in die Freiheit funktioniert bei mir nur durch liebevolle Konfrontation mit meinen Innenpersonen, mit den "Mitbewohnern" wie sie eine Bekannte einmal nannte. Mit meinen "headmates".
Aber es ist schwer. Es ist schwer all diese Personen in meinem Innen zu entdecken. Die kampfbereiten Teenager, die traurigen und auch fröhlichen Kinder, die spirtiuellen Seelen, all diese Verwundbarkeit, wenn auch verbunden mit unglaublicher Kraft, machen es nicht einfach.
Es ist schwer daran zu glauben, dass in mir all diese Personen wohnen können, in meinem Körper und Kopf. Es ist schwer zu glauben, was mir mein Außen berichtet von den Dingen, die ich getan habe, während "ICH" nicht da war. Es ist schwer zu glauben, dass das alles Realität ist. Meine - unsere - Realität.
Es ist schwer zu glauben.
Daher verstehe ich, wie schwer es für Menschen zu glauben sein muss, die nicht davon betroffen sind, die nicht regelmäßig mit Multiplen zu tun haben, die nicht so schlimme Dinge erlebt haben und daher auch oft gar nicht glauben, dass solche Dinge ("heute, im Hier und Jetzt?! Im 21. Jahrhundert? In Österreich?!") geschehen.
Tag täglich.
Ja, ich bin nicht alleine gefangen an einem solchen dunklen Ort.
Ich finde keinen Trost darin, dass solche Dinge auch anderen Menschen passieren.
Aber ich finde Trost darin, dass ich nicht die einzige Multiple bin auf dieser Welt. Ich finde Trost in den Internetforen, wo "Menschen wie ich" schreiben, mit mir Freud und Leid teilen, mich wissen lassen: "Du bist nicht allein".
Ich hoffe ich kann das mit diesem Blog auch im deutschsprachigen Raum tun.
Ihr seid nicht alleine. Ob multipel, oder einfach nur ein Mensch, der viel zu viel Leid in seinem Leben erfahren musste: ihr seid nicht allein.
DU bist nicht alleine.
Was war der Auslöser? Fragen über die Vergangenheit. Einiges liegt noch im Dunkel verborgen. Anderes ist bereits ans Licht gebracht, jedoch kehren Innenanteile immer wieder an diese Orte der Erinnerung zurück, weil sie es schwer finden an die Sicherheit im heutigen Außen zu glauben, es schwer finden sich hier zu verankern, es schwer finden Geborgenheit anzunehmen.
Glücklicherweise gibt es dann so tolle Therapeuten wie meine, und so tolle Freunde, wie ich sie habe.
In der Nacht vor der Therapie wurde ich von Alpträumen vermischt mit Flashbacks geplagt. Immer wieder wachte ich schreiend auf. Immer wieder das Wort: "NEIN!"
Mein Freund blieb wach an meiner Seite, streichelte mir den Rücken, war für mich da. Redete mir zu. Er ist einfach wundervoll und ich bin froh ihn zu haben.
Es muss schwer für ihn sein.
Seit meinem Therapietag geht es glücklicherweise wieder viel viel besser. Ich bin wieder lebensfroher, entspannter und glücklicher.
Wieviel es ausmachen kann einen Ort im Innen zu verlassen, ihn zurückzulassen, wieder in Sicherheit zu sein - selbst im Innen.
Ich weiß noch viel zu wenig über meine innere Landschaft. Das wurde mir in den letzten Tagen immer wieder klar. Ich weiß zu wenig über meine Innenanteile, meine "headmates". Ich beschäftige mich zu wenig mit ihnen.
In den letzten Monaten war ich so glücklich im Außen, konnte mir eine stabile Beziehung aufbauen, konnte meine Freundschaften vertiefen, dass ich die meiste Zeit ignorierte, was Innen geschah.
Mir ist klar, dass das letztendlich zu Desaster wie eben in der letzten Woche führt. Mir ist auch klar, dass es zu noch mehr Chaos im Innen führt, als sowieso schon vorhanden ist.
Dennoch fällt es mir schwer, mich mit all dem auseinander zu setzen.
Ich wäre so gerne frei. Frei von meiner Vergangenheit, frei von den UNTaten meiner Verwandten und dem Nichts-Tun der Zeugen. Ich wäre so gerne frei von den dunklen Orten an die mich die Täter gebracht haben.
Ich weiß der Weg in die Freiheit funktioniert bei mir nur durch liebevolle Konfrontation mit meinen Innenpersonen, mit den "Mitbewohnern" wie sie eine Bekannte einmal nannte. Mit meinen "headmates".
Aber es ist schwer. Es ist schwer all diese Personen in meinem Innen zu entdecken. Die kampfbereiten Teenager, die traurigen und auch fröhlichen Kinder, die spirtiuellen Seelen, all diese Verwundbarkeit, wenn auch verbunden mit unglaublicher Kraft, machen es nicht einfach.
Es ist schwer daran zu glauben, dass in mir all diese Personen wohnen können, in meinem Körper und Kopf. Es ist schwer zu glauben, was mir mein Außen berichtet von den Dingen, die ich getan habe, während "ICH" nicht da war. Es ist schwer zu glauben, dass das alles Realität ist. Meine - unsere - Realität.
Es ist schwer zu glauben.
Daher verstehe ich, wie schwer es für Menschen zu glauben sein muss, die nicht davon betroffen sind, die nicht regelmäßig mit Multiplen zu tun haben, die nicht so schlimme Dinge erlebt haben und daher auch oft gar nicht glauben, dass solche Dinge ("heute, im Hier und Jetzt?! Im 21. Jahrhundert? In Österreich?!") geschehen.
Tag täglich.
Ja, ich bin nicht alleine gefangen an einem solchen dunklen Ort.
Ich finde keinen Trost darin, dass solche Dinge auch anderen Menschen passieren.
Aber ich finde Trost darin, dass ich nicht die einzige Multiple bin auf dieser Welt. Ich finde Trost in den Internetforen, wo "Menschen wie ich" schreiben, mit mir Freud und Leid teilen, mich wissen lassen: "Du bist nicht allein".
Ich hoffe ich kann das mit diesem Blog auch im deutschsprachigen Raum tun.
Ihr seid nicht alleine. Ob multipel, oder einfach nur ein Mensch, der viel zu viel Leid in seinem Leben erfahren musste: ihr seid nicht allein.
DU bist nicht alleine.
Sonntag, 5. August 2012
schüchtern
Ich hatte, beziehungsweise habe, ein schönes Wochenende.
Am Freitag waren mein Freund und ich aus. Zuerst konnte ich mich nicht aufraffen, ich wollte nicht alleine in unseren "Stammclub" gehen und dann entschied mein Freund doch mitzukommen.
Ich tanzte und tanzte. Vor allem zu dem Lied "Given up" von Linkin Park konnte ich mich so richtig auspowern, denn der Rhythmus und der Text waren an diesem Abend perfekt. Ich fühlte mich auch so, denn mein Freund hatte vorher einen Scherz gemacht, den ich in die falsche Kehle bekommen hatte und ich dachte mir nur: "Was ist nur los mit mir? Warum kann ich nicht normal sein, sodass mir solche Scherze nichts ausmachen?!"
Also tanzte ich und danach fühlte ich mich ein wenig besser.
Am nächsten Tag schliefen wir sehr lange. Am Abend gingen wir - mein Freund und ich - in einen kleinen Clubkeller. Freunde von meinem Freund feierten dort den Geburtstag eines Clubmitglieds.
Ich fühlte mich so schüchtern. Ich weiß in solchen Momenten nicht, wie das zusammenpasst, dass jemand, der am Abend davor noch wild getanzt hatte und sich nichts dabei dachte, am nächsten Tag so schüchtern sein kann.
In diesem Clubkeller waren viele Menschen, von denen ich nur zwei kannte und ein paar schon einmal gesehen hatte.
Aber ich konnte einfach mit niemandem ein Gespräch anfangen, saß nur herum und versuchte nicht allzu auffällig zu sein. Das Narbenmädchen versucht nicht auffällig zu sein?! Was für ein Witz. Natürlich fielen die vielen Narben auf, wenn auch nicht ich. Ich habe sie die gesamten Ober- und Unterarme entlang und auch auf den Beinen, die zu dem Zeitpunkt allerdings unter einer langen Hose versteckt waren.
Trotzdem, an das dachte ich diesen Abend gar nicht. Denn manchmal, da vergesse ich zum Glück, dass ich überhaupt Narben habe, auch wenn das Thema Selbstverletzung für mich noch nicht abgeschlossen ist.
Nach ein einhalb Stunden herumsitzen und kaum mit jemandem reden, reichte es mir dann. Ich war müde, überfordert und extrem schüchtern.
Also ging ich nach Hause und hoffte, mein Freund würde den Abend mit seinen Freunden und Bekannten genießen.
Ich vergesse nicht nur die Narben immer wieder, sondern auch, dass ich multipel bin. Dann erscheint es mir natürlich als vollkommen paradox, so schüchtern sein zu können und dennoch auf Menschen offen und fröhlich zugehen zu können.
In solchen Momenten denke ich mir immer: "Irgendetwas stimmt doch mit mir nicht!"
Was zu einem gewissen Teil auch wahr ist, denn multipel zu sein, ist natürlich nicht etwas, was der "Normalität" entspricht - zumindest nicht der Normalität einer heilen Welt. Wenn man so aufwächst, wie ich aufgewachsen bin, ist es durchaus normal, sich zu spalten.
Aber so bin ich nun einmal, oder sollte ich sagen, so sind WIR nun einmal? Schüchtern, offen, traurig, fröhlich, dunkel, hell, klein und groß.
Es ist ein kompliziertes und oft einsames Leben.
Umso dankbarer bin ich meinen Freund zu haben, meine Mutter und die handvoll Freunde, die zu mir stehen.
Am Freitag waren mein Freund und ich aus. Zuerst konnte ich mich nicht aufraffen, ich wollte nicht alleine in unseren "Stammclub" gehen und dann entschied mein Freund doch mitzukommen.
Ich tanzte und tanzte. Vor allem zu dem Lied "Given up" von Linkin Park konnte ich mich so richtig auspowern, denn der Rhythmus und der Text waren an diesem Abend perfekt. Ich fühlte mich auch so, denn mein Freund hatte vorher einen Scherz gemacht, den ich in die falsche Kehle bekommen hatte und ich dachte mir nur: "Was ist nur los mit mir? Warum kann ich nicht normal sein, sodass mir solche Scherze nichts ausmachen?!"
Also tanzte ich und danach fühlte ich mich ein wenig besser.
Am nächsten Tag schliefen wir sehr lange. Am Abend gingen wir - mein Freund und ich - in einen kleinen Clubkeller. Freunde von meinem Freund feierten dort den Geburtstag eines Clubmitglieds.
Ich fühlte mich so schüchtern. Ich weiß in solchen Momenten nicht, wie das zusammenpasst, dass jemand, der am Abend davor noch wild getanzt hatte und sich nichts dabei dachte, am nächsten Tag so schüchtern sein kann.
In diesem Clubkeller waren viele Menschen, von denen ich nur zwei kannte und ein paar schon einmal gesehen hatte.
Aber ich konnte einfach mit niemandem ein Gespräch anfangen, saß nur herum und versuchte nicht allzu auffällig zu sein. Das Narbenmädchen versucht nicht auffällig zu sein?! Was für ein Witz. Natürlich fielen die vielen Narben auf, wenn auch nicht ich. Ich habe sie die gesamten Ober- und Unterarme entlang und auch auf den Beinen, die zu dem Zeitpunkt allerdings unter einer langen Hose versteckt waren.
Trotzdem, an das dachte ich diesen Abend gar nicht. Denn manchmal, da vergesse ich zum Glück, dass ich überhaupt Narben habe, auch wenn das Thema Selbstverletzung für mich noch nicht abgeschlossen ist.
Nach ein einhalb Stunden herumsitzen und kaum mit jemandem reden, reichte es mir dann. Ich war müde, überfordert und extrem schüchtern.
Also ging ich nach Hause und hoffte, mein Freund würde den Abend mit seinen Freunden und Bekannten genießen.
Ich vergesse nicht nur die Narben immer wieder, sondern auch, dass ich multipel bin. Dann erscheint es mir natürlich als vollkommen paradox, so schüchtern sein zu können und dennoch auf Menschen offen und fröhlich zugehen zu können.
In solchen Momenten denke ich mir immer: "Irgendetwas stimmt doch mit mir nicht!"
Was zu einem gewissen Teil auch wahr ist, denn multipel zu sein, ist natürlich nicht etwas, was der "Normalität" entspricht - zumindest nicht der Normalität einer heilen Welt. Wenn man so aufwächst, wie ich aufgewachsen bin, ist es durchaus normal, sich zu spalten.
Aber so bin ich nun einmal, oder sollte ich sagen, so sind WIR nun einmal? Schüchtern, offen, traurig, fröhlich, dunkel, hell, klein und groß.
Es ist ein kompliziertes und oft einsames Leben.
Umso dankbarer bin ich meinen Freund zu haben, meine Mutter und die handvoll Freunde, die zu mir stehen.
Montag, 30. Juli 2012
die frage nach der verbindung zum außen.
Diesen Sommer wollen wir hinbekommen, ohne Sommerloch.
Wir haben vor uns viel mit anderen Leuten zu treffen. Wir haben vor NACH AUSSEN die Verbindung zu halten.
Wir wollen jetzt regelmäßiger eine Freundin treffen, die auch multipel ist. Wir haben immer sehr regen, wenn auch unregelmäßigen Email Kontakt. Jetzt haben wir uns ausgemacht, dass wir uns einmal pro Woche sehen wollen, damit keiner in die Versuchung kommt, den anderen "nicht belästigen" zu wollen.
Wir brauchen wieder mehr Freunde, und wir glauben ihr und ihrem System könnte es auch gut tun, wenn sie mehr Kontakt zum Außen hätten. So helfen wir uns gegenseitig.
Außerdem tippen wir fleißig unsere Vorlesungsnotizen ab und sind auch sonst viel mehr unterwegs, als wir es normalerweise wären während des Sommers.
Das alles sind gute Dinge, die sich da tun.
Dennoch... nachts wird es schwierig. Immer, immer schwierig. Und in letzter Zeit wieder mehr als sonst.
Es ist weniger Angst, die herrscht als Traurigkeit und Wut. Ich weiß nicht so recht was da vor sich geht Innen. Ich weiß nicht, wer traurig ist, aber ich vermute die Kleinen. Wer wütend ist, aber vielleicht auch die Kleinen?
Es ist egal, ob unser Freund bei uns ist oder nicht nachts. Wenn er nicht da ist, kommen genauso diese Gefühle hoch, wie wenn er da ist. Es hat nichts mit seiner Anwesenheit zu tun. Auch wenig mit Müdigkeit, wie ich herausgefunden habe. Also liegt es wohle einfach daran, dass es Nacht ist und wir nachts selten sicher waren.
Wir stolperten hin und her zwischen diesen zwei Welten, in denen wir aufwuchsen.
Nirgendwo war es sicher. Es gab keinen Ort, an dem wir uns einfach entspannen konnten, einfach WIR/ICH sein konnten.
Nirgendwo war es sicher für uns.
Und das zehrt an den Kräften. Und im Hier und Jetzt festzustellen, dass es sicher ist, ist sehr sher schwierig, wenn man so lange Zeit nicht sicher war.
Zuerst nicht vor den Tätern, und später, als wir schon erwachsen waren, nicht vor uns selbst.
Es ist wirklich verwirrend für uns, festzustellen: wir brauchen keine Angst zu haben.
Aber vielleicht ist es ja das, genau das: wir stellen langsam fest, DASS es sicher ist, und nun können andere Gefühle als nur die ständige Angst Platz haben.
Und das... ja, das Leben, das wir bis jetzt hinter uns haben, natürlich macht das traurig, und auch wütend.
Wir haben vor uns viel mit anderen Leuten zu treffen. Wir haben vor NACH AUSSEN die Verbindung zu halten.
Wir wollen jetzt regelmäßiger eine Freundin treffen, die auch multipel ist. Wir haben immer sehr regen, wenn auch unregelmäßigen Email Kontakt. Jetzt haben wir uns ausgemacht, dass wir uns einmal pro Woche sehen wollen, damit keiner in die Versuchung kommt, den anderen "nicht belästigen" zu wollen.
Wir brauchen wieder mehr Freunde, und wir glauben ihr und ihrem System könnte es auch gut tun, wenn sie mehr Kontakt zum Außen hätten. So helfen wir uns gegenseitig.
Außerdem tippen wir fleißig unsere Vorlesungsnotizen ab und sind auch sonst viel mehr unterwegs, als wir es normalerweise wären während des Sommers.
Das alles sind gute Dinge, die sich da tun.
Dennoch... nachts wird es schwierig. Immer, immer schwierig. Und in letzter Zeit wieder mehr als sonst.
Es ist weniger Angst, die herrscht als Traurigkeit und Wut. Ich weiß nicht so recht was da vor sich geht Innen. Ich weiß nicht, wer traurig ist, aber ich vermute die Kleinen. Wer wütend ist, aber vielleicht auch die Kleinen?
Es ist egal, ob unser Freund bei uns ist oder nicht nachts. Wenn er nicht da ist, kommen genauso diese Gefühle hoch, wie wenn er da ist. Es hat nichts mit seiner Anwesenheit zu tun. Auch wenig mit Müdigkeit, wie ich herausgefunden habe. Also liegt es wohle einfach daran, dass es Nacht ist und wir nachts selten sicher waren.
Wir stolperten hin und her zwischen diesen zwei Welten, in denen wir aufwuchsen.
Nirgendwo war es sicher. Es gab keinen Ort, an dem wir uns einfach entspannen konnten, einfach WIR/ICH sein konnten.
Nirgendwo war es sicher für uns.
Und das zehrt an den Kräften. Und im Hier und Jetzt festzustellen, dass es sicher ist, ist sehr sher schwierig, wenn man so lange Zeit nicht sicher war.
Zuerst nicht vor den Tätern, und später, als wir schon erwachsen waren, nicht vor uns selbst.
Es ist wirklich verwirrend für uns, festzustellen: wir brauchen keine Angst zu haben.
Aber vielleicht ist es ja das, genau das: wir stellen langsam fest, DASS es sicher ist, und nun können andere Gefühle als nur die ständige Angst Platz haben.
Und das... ja, das Leben, das wir bis jetzt hinter uns haben, natürlich macht das traurig, und auch wütend.
Freitag, 27. Juli 2012
interessante gespräche innen
Mir war zuvor nicht bewusst, wie sehr wir auf Texte achten wenn wir Musik hören. Wenn ich es nicht tue, tut's jemand anderer innen.
So haben wir in letzter Zeit ein Gespräch entwickeln können, das nur aus Musik und den Texten besteht.
Seit Tagen hatte ich andauernd ein Lied im Kopf, hörte es rauf und runter und wusste nicht warum.
Es war Linkin Park - Waiting for the End.
Daraufhin sah ich mir den Text einmal genauer an, indem ich ihn auf Google suchte.
Tatsächlich handelt es von unserer Misere, die Amis gehen zu lassen, die Freunde die wir jahrelang immer wieder besucht hatten und denen unsere Krisen zu viel wurden.
Ich hörte mir also das Lied nocheinmal an, genau und mit Mitgefühl.
Daraufhin spielte Eva das Lied von Depeche Mode - Wrong.
Sie fühlte es war unsere Schuld, oder ihre Schuld, dass die Amis uns verlassen hatten. Ihrer Meinung nach, waren wir einfach WRONG.
Also spielte ich ihr das Lied von Ingrid Michaelson vor - Keep Breathing.
Es ist wirklich wunderschön.
Heute in der Früh wache ich auf und ein Lied will mir nicht aus dem Kopf gehen, also suchte ich verzweifelt welches Lied das sein könnte, denn ich hatte nur wenige Textfetzen im Kopf.
Fand es. Es war Hoobastank - Crawling In The Dark.
Das ergab für mich viel Sinn.
Darauf antwortete ich mit dem Lied von Linkin Park - Somewhere I Belong.
Eigentartig, oder?
Ich finde es überraschend, wie sehr wir auf die Texte achten und wie wir daraus eine richtiggehende Konversation entwickeln konnten.
Es fasziniert mich und es macht mich auch ein wenig traurig denn die Lieder, die wir uns gegenseitig vorspielten heute früh, waren traurig und dunkel. Aber dennoch ein wenig hoffnungsvoll weil so kraftvoll.
Ich hatte keine Ahnung. Ich hatte echt keine Ahnung, dass das funktioniert! Ich bin vollkommen überrascht.
Ich habe den "Tip" von einer Gruppe auf einem Forum, die auch auf diese Art und Weise eine Koversation eröffnen konnten und urplötzlich machte es in mir "Klick" und ich höre seither nur noch Lieder über Lieder.
Irgendwie schön. Wenigstens können wir jetzt offener miteinander kommunizieren. :)
So haben wir in letzter Zeit ein Gespräch entwickeln können, das nur aus Musik und den Texten besteht.
Seit Tagen hatte ich andauernd ein Lied im Kopf, hörte es rauf und runter und wusste nicht warum.
Es war Linkin Park - Waiting for the End.
Daraufhin sah ich mir den Text einmal genauer an, indem ich ihn auf Google suchte.
Tatsächlich handelt es von unserer Misere, die Amis gehen zu lassen, die Freunde die wir jahrelang immer wieder besucht hatten und denen unsere Krisen zu viel wurden.
Ich hörte mir also das Lied nocheinmal an, genau und mit Mitgefühl.
Daraufhin spielte Eva das Lied von Depeche Mode - Wrong.
Sie fühlte es war unsere Schuld, oder ihre Schuld, dass die Amis uns verlassen hatten. Ihrer Meinung nach, waren wir einfach WRONG.
Also spielte ich ihr das Lied von Ingrid Michaelson vor - Keep Breathing.
Es ist wirklich wunderschön.
Heute in der Früh wache ich auf und ein Lied will mir nicht aus dem Kopf gehen, also suchte ich verzweifelt welches Lied das sein könnte, denn ich hatte nur wenige Textfetzen im Kopf.
Fand es. Es war Hoobastank - Crawling In The Dark.
Das ergab für mich viel Sinn.
Darauf antwortete ich mit dem Lied von Linkin Park - Somewhere I Belong.
Eigentartig, oder?
Ich finde es überraschend, wie sehr wir auf die Texte achten und wie wir daraus eine richtiggehende Konversation entwickeln konnten.
Es fasziniert mich und es macht mich auch ein wenig traurig denn die Lieder, die wir uns gegenseitig vorspielten heute früh, waren traurig und dunkel. Aber dennoch ein wenig hoffnungsvoll weil so kraftvoll.
Ich hatte keine Ahnung. Ich hatte echt keine Ahnung, dass das funktioniert! Ich bin vollkommen überrascht.
Ich habe den "Tip" von einer Gruppe auf einem Forum, die auch auf diese Art und Weise eine Koversation eröffnen konnten und urplötzlich machte es in mir "Klick" und ich höre seither nur noch Lieder über Lieder.
Irgendwie schön. Wenigstens können wir jetzt offener miteinander kommunizieren. :)
Mittwoch, 25. Juli 2012
grief.
I want to write here today.
I am really sad, I am in fact grieving.
I have lost so many good, wonderful friends, I have lost so much. They have decided I am too much for them, too intense, too suicidal, too angry, to everything. Everything about me made them unhappy. Does that mean that I made them unhappy? I guess it does.
I am just so sad. I am sad that they are gone. I am so very very sad.
I want to find the magic words. I want to find the magic words to make them come back. I miss them so.
Why have they left me when I loved them so? I would have done ANYTHING for them.
Anything.
I asked too much of them, I realize that now.
I am broken. They are intact.
The worlds we lived in - their happy world and my unhappy one - they didn't mix well.
So they gave up on me, let me go.
Because it was time for them to let me go.
And now it is time for me to let them go.
I realize that now.
Thank you for listening.
-Eva
I am really sad, I am in fact grieving.
I have lost so many good, wonderful friends, I have lost so much. They have decided I am too much for them, too intense, too suicidal, too angry, to everything. Everything about me made them unhappy. Does that mean that I made them unhappy? I guess it does.
I am just so sad. I am sad that they are gone. I am so very very sad.
I want to find the magic words. I want to find the magic words to make them come back. I miss them so.
Why have they left me when I loved them so? I would have done ANYTHING for them.
Anything.
I asked too much of them, I realize that now.
I am broken. They are intact.
The worlds we lived in - their happy world and my unhappy one - they didn't mix well.
So they gave up on me, let me go.
Because it was time for them to let me go.
And now it is time for me to let them go.
I realize that now.
Thank you for listening.
-Eva
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