Freitag, 2. Dezember 2016

Fünf Tage bis zur Gerichtsverhandlung.

In fünf Tagen ist es soweit und ich werde eine weitere  (dritte) Aussage machen.
Ich bin bereit.

Bis dahin muss ich noch:

  • Eine Email an meine Anwältin schicken, 
  • Die Aussagen durchlesen,
  • Zum Friseur gehen.


An meine Anwältin möchte ich deshalb schreiben, damit sie weiß, dass ich den Täter während meiner Aussage nicht aus dem Raum schicken will. Ich will, dass er dabei sitzt; dass er sieht, dass ich keine Angst vor ihm habe, dass die Schöffen sehen, dass ein vollkommen normal aussehender Mensch zu solchen Taten sehr wohl fähig ist
Ich hoffe damit die Schöffen zu erreichen, und ich hoffe damit alle im Innen zu erreichen, und ihnen zu zeigen, dass wir jetzt erwachsen sind und keine Angst mehr haben müssen. Dass wir auf uns und einander aufpassen können.

Ich fühle mich, als hätte ich mein Leben lang auf diesen Moment hingearbeitet. Früher habe ich mir immer vorgestellt, G und M, meine Täter, anzusprechen und ihnen  zu sagen: "Ich kann mich noch erinnern, und ich habe keine Angst mehr vor euch!"
Und jetzt ist es so weit. Ich kann es endlich tun! Auch wenn G mittlerweile gestorben ist, M ist noch am Leben und wir werden ihm die Stirn bieten. Wir sind stärker und intelligenter als er, wir sind erwachsen, wir sind nicht mehr angst-erfüllt.

Der Grund warum ich meiner Anwältin noch nicht geschrieben habe, ist, dass ich nicht weiß, wie ich den Täter benennen soll? Soll ich sagen "der Täter", "mein Täter", "mein Onkel" oder seinen vollen Namen benutzen?
Das ist für mich keine leichte Entscheidung, denn aus irgendeinem Grund ist das exakte Wort, dass ich benutze von unglaublicher Bedeutung. Trotzdem, es wird schön langsam Zeit diese Email zu schreiben und auch abzuschicken. Vielleicht kann ich die im Innen dazu bringen es einfach nicht so schwer zu wiegen zu lassen, dies eine Wort.

Die Aussagen noch einmal durchzulesen wird bestimmt schwierig werden. Aber ich muss damit heute beginnen, denn es sind viele Seiten.
Ich muss mich so gut wie möglich auf die kommende Situation vorbereiten, damit ich, sollte der Gegenanwalt versuchen mich unter Druck zu setzen, trotzdem immer noch gelassen und konzentriert antworten kann.

Innerlich fühle ich mich wirklich bereit, das alles anzugehen.
Fünf Tage.

Montag, 28. November 2016

Nicht mehr Angst-gelähmt!

Ich bin aus der Starre der Angst gelöst!

Mein Leben nimmt im Moment echt verdammt gute Züge an! Ich habe FreundInnen, einen festen Freund und meine Mutter, UND ich lerne ständig neue Leute kennen - mein Sozialleben ist wirklich wunderbar!

In meinem Kopf ist es zwar immer noch sehr gedanken-leer, aber ich fühle mich nicht mehr so unerträglich einsam.

Im Moment finde ich es schwierig in der Früh außer Haus zu gehen, und mich zu motivieren etwas Aktives zu tun.
Beim Computer zu sitzen ist um so vieles einfacher!

Dennoch - obwohl meine Gedanken im Moment kaum vorhanden und meine Konzentration verschwunden ist, ist mein Leben im Moment echt gut.

Wenn ...
Wenn da nicht die Gerichtsverhandlung in einer Woche und zwei Tagen wäre.

Ich bin so unglaublich nervös, aber nicht mehr erstarrt.
Wir werden zusammen arbeiten und das schon schaffen.
Hinter uns lassen.
Auch UNSER Leben endlich weitergehen lassen. Keinen Atem mehr anhalten. LEBEN!

Schön langsam müssen wir aber echt mit unseren Hunden raus gehen ... :)

Freitag, 25. November 2016

Und das Leben geht weiter.

Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr etwas sehr Schlimmes erfahrt, und ihr denkt, jetzt müsste eigentlich alle Welt betroffen sein, aber es betrifft eben nur euch und die Welt dreht sich weiter. Alle gehen ihrem täglichen Leben nach und haben keine Ahnung, dass sich für euch jetzt alles geändert hat.

So ging es mir, als ich die Aussagen meiner Familie gegenüber der Polizei gelesen habe, damals vor einem Jahr.
Und manchmal schleicht sich dieses Gefühl auch heute noch in mein Bewusstsein.

Im letzten Jahr hat sich sehr, sehr vieles verändert für mich (und uns). Wir spürten uns kaum, wir hatten ein Jahr lang das Gefühl, den Atem anzuhalten. In der Therapie ging fast nichts weiter, fast niemand erschien, meist immer nur dieselbe Person, die kaum bereit war, wirklich mit den anderen zusammen zu arbeiten.

Unsere letzte Therapie Stunde ist jetzt drei Tage her, und plötzlich verändern sich die Dinge im Inneren. Wir lassen unsere Gefühle, egal wie verwirrend (und schmerzhaft!) wieder an "uns" heran. Alle dürfen wieder sein, so wie sie da sind, in all ihren Gefühlen, mit all ihren Gedanken.
Wir haben wieder "aufgemacht".
Und es ist schön wieder die anderen zu spüren, für mich, die so ausgeschlossen war (und ausgeschlossen hatte). Wir haben einander wieder, sind nicht mehr alleine im Inneren eingeschlossen, isoliert voneinander.
Doch genauso schön wie es ist, ist es auch schmerzhaft.
Wir sind dabei uns emotional von unseren Cousinen zu verabschieden. Die Großmutter haben wir abgehakt, von der Tante hatten wir zwar etwas anderes erwartet, aber wir verstehen die Gedanken einer Mutter (auch wenn dies dazu führt, dass sie unserer Meinung nach einen Riesenfehler begeht!).
Doch unsere Cousinen, die in unserem Alter sind, können wir kaum loslassen.

Also hat ein Trauerprozess begonnen.
Die Cousinen sind nicht die, die sie einmal waren. Und sie sind auch nicht die, für die wir sie in den letzten 10-13 Jahren gehalten haben. Wir hatten das Gefühl, wir wären einander nahe, doch das war Täuschung.
Sie haben schlecht von uns gedacht. Sie haben uns für eine Lügnerin gehalten. Und eine Betrügerin. Ein Naivchen, das Realität von Einbildung nicht unterscheiden kann.
Es tut so unglaublich weh.

Bevor wir anzeigten, wussten wir, es würde nicht schön werden. Diese Auseinandersetzung mit dem Bild unserer "Familie" und dem, was der Ausdruck "Familie" für uns bedeutet, hatten wir jedoch nicht erwartet.
Man ist Opfer einer gewalttätigen Familie, die Kinder leiden lässt, lieber wegschaut, als sich unangenehmen Wahrheiten zu stellen, und als Opfer dieser Familie ist das normal, alles ist normal. Und man glaubt "Meine Familie ist anders!" denn, bei uns war es "nie so schlimm" und es war "alles ganz anders!".
Meine Familie ist anders ...
Nein, leider eben nicht.
Familien in denen Inzest und andere Formen von Gewalt passieren, sind einander leider immer sehr ähnlich.

Ich habe Glück, denn ich habe meine Mutter. Eine mutige und starke Frau, die für ihre und meine Freiheit kämpft und nicht von meiner Seite weicht.
Also ja - meine Familie ist anders, denn ich habe meine Mutter.
Die anderen jedoch haben genauso reagiert, wie es "das Buch" vorschreibt: mit Ablehnung, Verleumdungen, Lügen und: das schwarze Schaf sind nicht die Täter, sondern das/die Opfer.

Es schmerzt. Es tut so weh.
Und dennoch: auch wenn die Welt sich für uns für immer verändert hat, wird auch für uns das Leben weitergehen. Wir werden aufhören den Atem anzuhalten, und wir werden Nähe, Gefühle, Liebe, Zuneigung wieder zulassen. Denn es hat ja schon begonnen.

Wir sind nicht mehr alleine - weder im Außen, noch im Innen.

Montag, 21. November 2016

Was bleibt...

Was bleibt im Moment von uns?
Auf was wurden wir reduziert?
Im bildlichen und im wörtlichen Sinne?
Und von wem?

Von der Angst reduziert auf ein zitterndes, gelähmtes Mädchen.
Ein in-der-Nacht-schreiendes-um-sich-schlagendes Mädchen. (Keine schönen Zeiten für unseren Freund S)
Gelähmt und unfähig seinen Beitrag zu leisten.
Müde und gelähmt und unfähig seinen Beitrag zu leisten.

Von anderen reduziert auf:
Ein Opfer. DAS Opfer. In diesem FALL.
Das Opfer, dem "sicher was passiert ist, denn es ist ja so krank. Aber woher nur, was nur?" (Zitat Schöffen)
Wie wäre es denn MIT DEN GEWALTTATEN, die wir ANGEZEIGT haben?!
Wieso sollten wir das ERFINDEN?
Weil es so lustig ist? Weil sich dann die ganze Familie (ausgenommen der Mutter) von uns abwendet?
Weil es so toll ist, "Lügnerin" geschimpft zu werden?
"Leicht beeinflussbar"
Und UM HIMMELS WILLEN: auf keinen Fall intelligent - denn Opfer sind ja bekannterweise strohdumm, weil sie sich ja sonst wehren würden! (GENAU! ICH, 4-12 jähriges Mädchen hätte mich gegen Morddrohungen, sexualisierter und physisch/psychische GEWALT von VIEL GRÖSSEREN JUGENDLICHEN bis ERWACHSENEN wehren sollen!)
Und hey: ich hab's ja wem erzählt: Die Antwort war: "Über so was redet man nicht!"

Reduziert auf ein BILD. Gepresst in eine FORM.
Nichts von dem, auf das sie mich reduzieren wollen, Opfer, Mädchen, DUMM, hält der Realität stand.

Wir sind VIELE und VIELES.
Aber kein Opfer mehr.
Kein Opfer mehr.
Kein Opfer mehr.

Wir werden das hier überleben, und die VERWANDTSCHAFT aus unserem Vokabular, dem Wissen, der Liebe STREICHEN!

Wir müssen euch nicht lieben!
Wir müssen euch nicht mal mögen.
Ihr tut es ja umgekehrt auch nicht.

DANKE für eure Nicht-Unterstützung.
Sie schmerzt wie eine offene Wunde, die nicht aufhört zu bluten - ABER wir werden nicht verbluten an euch.
Ihr habt uns die Augen geöffnet!

Samstag, 19. November 2016

Die Anzeige und was passierte.

Zurück zum Thema Anzeige.

Ich bekam ALLE Aussagen gegenüber der Polizei zu lesen. Ausgesagt haben: Meine Tante M, deren zwei Töchter B und K, meine Großmutter, eine Frau, die mit meinem Onkel einige Jahre liiert war und deren Tochter. Außerdem hat meine Mutter ausgesagt.
Mein Onkel selbst hat natürlich auch eine Aussage machen müssen.

Die Aussagen zu lesen war erschütternd für mich.
Meine Großmutter hat eine "heile Familie" (wortwörtlich!) erfunden, in der alle glücklich waren.
Nicht ausgesagt (also wahrscheinlich einfach verweigert, da er das kann, da es sich hier um seinen Sohn handelt) hat mein Großvater.
Auch sonst hat niemand etwas dazu gesagt, und meine Mutter hatte acht Geschwister (wovon zwei bereits gestorben sind).

Meine Cousinen haben mehr oder weniger direkt gesagt, dass ich lüge.
Laut ihnen war die allgegenwärtige Gewalt einfach nur "die Burschen haben halt ein bisserl rumgeschubst" und wären halt aufgrund ihres Größen- und Geschlechtunterschiedes ein wenig "gröber" gewesen.
Eine der beiden meinte, sie glaube schon, dass ich vergewaltigt worden wäre, aber wenn dann in Amerika, als ich 15-16 Jahre alt war. (WTF?!)
Ihre Schwester hat interessanterweise (für mich) eine Szene beschrieben, die einer meiner Missbrauchsszenen SEHR ähnelt. Das war für mich wie ein Beweis, dass ich NICHT spinne.

Einen weiteren Beweis lieferte dann meine Großmutter, die auch bei der Hauptverhandlung ausgesagt hat (sowie die anderen auch alle). Laut ihr gab es plötzlich ZWEI ganze Räume plötzlich nicht mehr, nämlich die beiden Räume, in denen ich alleine oft gespielt und auch übernachtet habe. Die Räume, in denen vor allem viel der sexualisierten Gewalt passiert ist.
Als meine Anwältin dann nach Bauplänen fragte, waren die Räume urplötzlich wieder da.

Auch das war für mich ein Beweis, dass ich nicht verrückt bin, etwas vor dem einige in uns immer noch Angst haben, denn es war SO absurd diese Aussagen zu lesen. Ich konnte es kaum glauben, dass meine Familie derart vertuschen würde, und zwar ALLES, was passiert ist! Es gab bei mir nach dem Lesen der Aussagen gegenüber der Polizei einen richtigen Bruch mit der Realität. Ich war dermaßen geschockt und entsetzt, dass ich am Heimweg nicht verstehen konnte, warum sich die Welt einfach weiterdreht.

Mein Teil der Verhandlung beginnt also Anfang Dezember.
Ich WEISS, wie Täter-/Gewaltfamilien funktionieren! Ich weiß es, und dennoch war es für mich unglaublich schmerzhaft.
Ich weiß, dass Vertuschung, Verleugnung und Verleumdung normal sind. Und dennoch traf es mich wie ein Schlag.
Denn ich konnte es mir immer noch nicht vorstellen, dass MEINE eigene FAMILIE so war. Für mich war die Gewalt physischer, psychischer und sexueller Natur dermaßen normal, dass ich einfach meine Familie in diese Muster nicht einordnen KONNTE!
Und teilweise auch heute noch nicht kann.
Es kommt mir so eigenartig vor. Ich dissoziiere sehr, sehr viel, noch immer, wenn es um meine Familie geht. Ich kann es einfach nicht fassen, dass sie so sind, wie sie sind.

Die einzige die an meiner Seite stand und steht, ist meine Mutter.
Ihre Aussagen waren stark und beeindruckend. Ich bin so froh, sie an meiner Seite zu haben.
Ohne sie, hätte ich es niemals geschafft, zur Polizei zu gehen, vor Gericht auszusagen, und jetzt noch einmal auszusagen.

Im Gerichtssaal habe ich die Möglichkeit meinen Onkel aus dem Raum gehen zu lassen, bevor ich ihn betrete. Ich werde diese Möglichkeit NICHT wahrnehmen.
Ich bin mir nicht sicher, ob ich es schaffen werde, ihn zu ignorieren und mich ganz auf die Richter und Schöffen zu konzentrieren. Aber sie sollen sein Gesicht sehen, wenn ich meine Geschichte - unsere "gemeinsame" Geschichte - erzähle. Denn ich bin mir fast sicher, er wird lächeln. Denn das ist es, war er immer tat - er tat immer so, als wäre die Gewalt, die er an mir verübte, unglaublich lustig. Vielleicht fand er es tatsächlich lustig, oder wollte den Schein bewahren, es sei alles nur "ein Spiel", in der Hoffnung ich würde es auch als solches wahrnehmen und nie, nie, nie jemandem davon erzählen. Er und sein Bruder haben mein Leben bedroht - aber es war alles nur ein Spiel?

Die Schöffen haben die Frage gestellt, wie es sein kann, dass ich trotz der Gewalt, die in meiner Familie herrschte dermaßen gute Noten in der Schule hatte! Sie können sich das einfach nicht vorstellen, und ich frage mich:
Liegt es an dem Vorurteil, dass nur "dumme Menschen" Opfer sein und werden können?
Ich bin nicht dumm, ich war nie dumm.
Und dennoch wurde ich Opfer.
Ich bin psychisch nicht schwach, und dennoch war ich Opfer.
Ich bin nicht hilflos - nicht mehr - aber ich war Opfer, und ich war DAMALS sehr wohl hilf- und wehrlos.

Das Leben wird weitergehen, denn es geht immer irgendwie weiter.
Die Welt wird sich drehen, es werden Tage und Nächte vergehen, und auch mein Leben wird weitergehen. Ich freue mich auf das "danach", wenn diese ganze Geschichte ENDLICH vorbei ist.
Mir kommt es vor, als hätte ich ein Jahr lang nur den Atem angehalten, und gewartet.
Es ist Zeit mit dem Warten aufzuhören und zurück in die AKTION zu gehen, TATEN zu setzen, zu HANDELN.

Mein Leben ist nicht vorbei, es geht weiter, und wird auch nach der Verhandlung wieder in die richtigen Bahnen gelenkt werden. Ich weiß nicht, ob er verurteilt werden wird - es sieht so aus, als wären meine Chancen sehr gering.
Aber selbst wenn er frei gehen darf, so ist es doch so, dass ich es getan habe. Ich habe meinen Mut und meine Stärke genutzt (auch wenn ich mich momentan weder mutig noch stark fühle) um diese Verbrechen anzuklagen.

Freitag, 18. November 2016

Wir sind zurück und wir haben die Täter angezeigt!

Meine lieben Leser!

Es ist jetzt über zwei-einhalb Jahre her, dass wir hier geschrieben haben.
So vieles ist seither passiert, so unglaublich vieles.
Wir haben vor hier wieder regelmäßig zu schreiben, auf deutsch, in unserer Muttersprache, also kommt, kommt nur vorbei und lest mit! Wir freuen uns über alle Kommentare und Leser!

Die kürzeste Zusammenfassung der letzten fast drei Jahre ist wohl diese hier:

Wir waren mit unserem Freund G verlobt, für ganze vier Monate. Dann hat er die Beziehung beendet (nach einem Jahr und vier Monaten), aus Gründen, die ich mir nur versuchen kann aus den Fingern zu ziehen, weil er keine genannt hat.

Zur selben Zeit, habe ich erfahren, dass einer meiner Täter gestorben ist. Ich fuhr zu seinem Grab, um es zu sehen, um es wirklich zu WISSEN, dass er tot ist.
Wir haben uns unglaublich geärgert. Auf seinem vorläufigen Grabstein stand sein Spitzname und dass er friedlich entschlafen ist. (Er ist an Krebs gestorben).

Ein oder zwei Wochen später hat G mit mir/uns Schluss gemacht.

Ein Jahr darauf haben wir dieses plötzliche Beziehungsende endlich innerlich verarbeitet und entschlossen unsere wieder-aufkeimende Wut dafür zu benutzen, den anderen Täter anzuzeigen.

Ja! WIR haben es tatsächlich getan!
Ich habe alle nötigen Informationen von der Organisation TAMAR eingeholt, die nun sowohl meine Anwältin als auch Gerichtsbegleitung finanzieren. Diese haben mich an eine Polizistin in meinem Bezirk weitergeleitet. Meine Therapeutin kam mit zur Anzeige. Über eine Stunde saßen ich und meine Therapeutin in dem Büro der wirklich sehr, sehr netten Polizistin und habe ihr alles erzählt. Soviel ging, alles, was sie brauchte. Ich musste tatsächliche Worte von Geschlechtsteilen benutzen (kein "da unten" mehr) und es brauchte wirklich viel Mut und Kraft dies zu tun.
Er wurde angezeigt und des Verbrechens beschuldigt.

Wenige Wochen danach wurde ich auf das Gericht in W. eingeladen, um meine Aussage in einem abgesonderten Raum noch einmal zu machen. Mein Täter saß in einem anderen Raum; auch meine (unglaublich mitfühlende, intelligente und engagierte) Anwältin saß dort, als auch der Anwalt meines Täters und der Staatsanwalt.
Ich wurde gefilmt und live in diesen Raum gestreamt. Beide Anwälte als auch Staatsanwalt durften mir durch die Richterin, die mit mir ein dem Raum saß, Fragen stellen.
Ich habe sie alle beantwortet.

Nun ist ein Jahr vergangen. Es kam zur Anklage (gegen die er Einspruch erhoben hat, der abgelehnt wurde).
Am 7. Dezember bin ich wieder in das Gericht in W. vorgeladen, um ein letztes Mal meine Aussage zu machen, vor meinem Onkel, seinem Anwalt, den beiden Richtern, dem Schöffen und der Schöffin, und meiner Anwältin.

Ich möchte dazu noch mehr sagen, aber ich denke, dies reicht erst einmal für eine kurze Zusammenfassung der letzten 2-3 Jahre.

Es ist viel passiert und wir alle in diesem Kopf/Körper haben uns dadurch SEHR verändert.
Mehr dazu später, oder morgen.

Vielen Dank für's Lesen!

Freitag, 4. Oktober 2013

die news von uns

die uni fängt nächste woche wieder an. wir sind schon ganz aufgeregt. der sommer war eindeutig zu lang.
wir haben auch wieder unser schreibtreffen ab montag. auf das freuen wir uns ganz besonders und wollen bis dahin noch einen halbwegs brauchbaren text fabrizieren.

unsere mom ist gestern zu uns gekommen und hat uns von nepal erzählt. das muss wirklich eine absolut tolle reise gewesen sein! wir waren ganz fasziniert. wir hoffen noch mehr zu hören, denn heute abend kommt sie wieder zu uns nach hause. :)

in einer stunde sehen wir eine ärztin, die uns dann sagen wird, was wegen unseren schmerzen gemacht wird; massagen und so weiter.
wir sind deshalb ein wenig aufgelöst. wir können uns mit dem gedanken nicht anfreunden, dass uns ein fremder mensch massieren wird. :-/
vorgestern abend haben wir unsere schmerztabletten nicht genommen und es gestern bitterlichst bereut. nicht nur, dass unser kreislauf verrückt gespielt hat, nein auch die schmerzen waren echt heftig.

am nachmittag treffen wir dann unsere freundin, die ebenfalls multipel ist. wir freuen uns darauf. wir haben sie jetzt mehr als eine woche (oder sind's schon zwei?) nicht mehr gesehen.

es ist heute nicht so schlimm wie gestern mit den schmerzen, aber immer noch nicht besonders angenehm.
wir hoffen wir kriegen das irgendwie geregelt, damit wir den tag auch gut überstehen.

in der nacht geht's dann auf in unseren "stammclub" zum tanzen. wieder mal wir und wir ganz allein. das ist traurig, aber besser als gar nicht tanzen zu gehen.
G hat seinen sohn dieses wochenende und wir freuen uns darauf, den jungen mann wieder zu sehen. im november wird er schon zehn jahre alt!

der tag heute, und auch das wochenende, verspricht wunderschön zu werden!
wir freuen uns darauf.
und werden weiterhin versuchen als team zu arbeiten. :)


Donnerstag, 3. Oktober 2013

meine mom ist zuhause! :D

meine mom war drei wochen auf urlaub.
jetzt gerade sucht sie parkplatz.
sie ist wieder zu hause!
wir sind so aufgeregt!!!

wir freuen uns total, dass sie wieder da ist.
wir haben sie vermisst. :)

Mittwoch, 2. Oktober 2013

selbstverletzung und zeit für meine "innies"

meine therapeutin hat mir aufgetragen, jeden tag für eine halbe stunde, oder stunde, zu sitzen mit meinen gefühlen, sie rauszulassen auf papier.
also sitze ich jeden vormittag für eine stunde und zeichne, male und versuche meine gefühle nicht mehr zu unterdrücken, sie auszudrücken, sie sichtbar zu machen.
danach wurde mir aufgetragen etwas zu tun, aktiv zu werden, im besten fall außer haus zu gehen.

drei wochen lang hat das gut funktioniert, und ich konnte so auch meine selbsthass und isolationsgefühle gut unter kontrolle bringen.

doch die letzen vormittage verbrachte ich damit viel zu weinen. und die gefühle wurden immer mehr, und immer mehr hatte ich das bedürfnis zu weinen.
ich lächelte seltener, lachte kaum noch.
gestern dann die "explosion".
irgendetwas erzeugte in meinem kopf druck, und nicht gerade wenig davon!
ich bin mir nicht einmal sicher, was diese gefühle ausgelöst hatte! wieder gingen mir bilder der vergangenheit durch den kopf. der hass auf mich selbst wurde immer größer.
gestern nachmittag war die welt noch einigermaßen in ordnung gewesen, ich hatte therapie gehabt und wir hatten die bilder besprochen. doch leider mussten wir mitten darin abbrechen, da wir sowieso schon überzogen hatten und die nächste klientin bereits vor der tür stand.
es war ein unbefriedigendes ende für eine unglaublich intensive therapiestunde.
tja, abends war es dann so weit.
ich griff wieder zur klinge, ritzte in meine haut.
danach fühlte ich mich furchtbar. wie ein verlierer. wie jemand, der aufgegeben hat. wie jemand, der es "wieder einmal nicht geschafft hat".

mein freund kam nach hause und ich weinte und weinte.
er kümmerte sich rührend um mich.
und redete mit mir, steckte mich unter die dusche, half mir beim anziehen, da ich immer noch zitterte und weinte, kuschelte sich mit mir auf die couch und redete weiter mit mir.

er hatte bemerkt, dass ich seit tagen nur noch ein ICH war, die anderen nicht rausließ, nicht zuließ, dass auch sie ihre zeit in dieser welt hatten. er sagte, ich müsse es zulassen, dass es mir immer dann schlecht ging, wenn ich glaubte, alles alleine machen zu müssen, wenn ich glaubte, die anderen unterdrücken zu können.

shana, eva und azar bekamen dann ihre zeit.
und ich? erleichterung.

mir ging es heute schon viel, viel besser.
nicht nur, dass mich mein freund getröstet hat, für mich da war, mich nicht verurteilt, sondern umsorgt hat, nein, auch die anderen hatten wieder zeit ihre glieder zu strecken, ihre zeit zu genießen.

der tag heute war leichter, produktiver und schöner als die letzten tage, und das obwohl ich heute mutterseelenalleine war.

es wird besser werden ...

Samstag, 28. September 2013

intimität und nähe geben als multi

das alte problem ist wieder aufgetaucht.
irgendwie hatte ich hoffnungen, "wenn ich denn nur 'den richtigen' finde", wird sich das problem, nähe und intimität nicht geben zu können, in luft auflösen.

ach wie töricht ist der mensch! oder ich eben.

natürlich taucht es dennoch auf. ob es "den richtigen" nun gibt oder nicht, ob G jetzt "der richtige" sein mag oder nicht, natürlich wird es dieses problem trotzdem so lange geben, bis... ja .... bis? vielleicht immer.

es gibt bei mir phasen, da kann ich sehr viel nähe geben. und auch intimität (auch auf dem psychischen level) erleben.
nur dann gibt es eben lange, lange durststrecken für meine partner dazwischen.
wie in der letzten woche für G.
mir kam das natürlich ganz anders vor, denn ich habe mich bemüht, ihn zu umarmen und hin und wieder zu küssen, aber für ihn war das zu wenig.
für mich war es fast schon zu viel, denn ich konnte letzte woche mich kaum zu solchen dingen überwinden.

glücklicherweise konnten wir darüber reden, und er hat geduld versprochen ...
aber ich weiß, das problem wird wieder auftauchen, und wir werden wieder darüber reden, und ich werde druck verspüren, so wie auch diesmal, und ... ja, kurz gesagt, ich werde eine lösung finden müssen, gemeinsam mit ihm.

was er verspürt ist ein natürliches bedürfnis, das ich nicht zu haben scheine ... zumindest die meiste zeit.
mir genügt es, einen menschen um mich zu haben, und es überfordert mich manchmal, dann auch noch die hand, die umarmung, den kuss, zu geben/zu spüren.
aber ich weiß es gibt andere innen, die das sehr wohl gut geben können.

nur wie komme ich über dieses gefühl hinweg, dass ich nicht "einen kompromiss eingehe", wenn ich denn diese anderen in mir versuche in den vordergrund zu schicken, sondern statt dessen das gefühl habe, mich "für ihn zu verändern"?

ich bin so unglaublich frustriert!
ich fühle mich inadequat als mensch und als frau.
ich fühle mich überfordert mit den wünschen, die meine partner an mich haben.
ich fühle mich zornig, weil ich diese wünsche nicht erfüllen kann, und in aller ehrlichkeit, manchmal sogar, weil meine partner diese wünsche überhaupt haben!
ich fühle mich deshalb schlecht und habe ein schlechtes gewissen.
ich möchte gefallen, gemocht und geliebt werden, wie jeder andere mensch auch, nur habe ich eine riesige angst davor.

nähe bedeutet für mich manchmal auch einiges an negativem:
angst.
flashbacks.
überforderung mit den eigenen (negativen sowie auch positiven!) gefühlen.
"fallen lassen" und "sich gehen lassen" - beides dinge, die mir angst machen oder einfach unmöglich sind in manchen zeiten, da ich jegliche art von selbstkontrolle in dem moment oft brauche, um zu überleben.

manchmal ist es eine frage von nähe versus überleben.
oder so kommt es mir vor. 
es fühlt sich oft tatsächlich so an.

in meinem kopf funktioniert das ungefähr so: wenn ich nähe gebe und erfahre, lasse ich mich "fallen" und werde sterben. vernichtung. auslöschung.
alles aus den alten geschichten heraus.

was eine der schönsten erfahrungen sein soll, hat unsere familie für uns ruiniert.
und nun können wir es nicht mehr geben, obwohl es oft der mensch, den wir lieben, dringend braucht.

das ist wirklich unglaublich frustrierend.
und wir wissen noch nicht so recht, was wir mit dieser situation machen werden.
wir hoffen es wird sich gemeinsam mit G und mit unserer therapeutin, sowie mit der zusammenarbeit von uns allen, eine lösung finden.

Dienstag, 24. September 2013

im zoo und andere geschichten

sonntag war G mit uns im zoo. mehrere innenkinder und erwachsene sind aufgetaucht, um das alles mitzuerleben. ich weiß nicht wie lange wir durch den zoo gewandert sind, einfach nur um alles zu vergessen. wir wollten vergessen, er wollte vergessen.

so haben wir uns die tiere angeschaut, wir haben im minuten-takt geswitched und kamen dann furchtbar müde aber dennoch voller guter aufregung nach hause.

montag hatten wir versprochen, wegen der schmerzen in unserer schulter, endlich zum arzt zu gehen. wir hatten eine panik davor, die unbeschreiblich war. "vielleicht bilden wir uns das alles nur ein. oder vielleicht glaubt der arzt, dass wir uns das alles einbilden! oder oder oder!!"

wir haben unsere gefühle raus-gezeichnet, darüber geschrieben und das ganze dann beiseite geschoben und sind auf zum arzt.
der war, wie immer, sehr nett, hat uns tabletten und ein entzündungshemmendes gel verschrieben und uns zum röntgen geschickt.
die ergebnisse sollten wir morgen abend erfahren.

die alte panik: man glaubt uns nicht.
bestätigt durch mit-täter, die uns tatsächlich "nicht geglaubt" haben. und auch nichts getan haben, als wir uns mitteilten.

ich bin gespannt, ob die vergangenheit je aufhört uns auf schritt und tritt einzuholen.

Freitag, 20. September 2013

mystery pain, kinder und innere kinder.

wir haben seit ca. anderthalb wochen einen wirklich schlimmen schmerz in der rechten schulter, der sich in den nacken bis zum kopf hinauf zieht.
beim arzt waren wir natürlich noch nicht. wir trauen uns nicht hin, da wir ständig das gefühl haben von ärzten belächelt zu werden. aber wenn's bis montag nicht besser ist, müssen wir wohl. (vor allem, da wir's dem freund versprochen haben).
oh mytery pain, go away, you weren't invited to this party.

kinder.
ja, wir haben jetzt schon, nach noch nicht einmal 4 monaten über's kinder wollen oder nicht-wollen gesprochen. es war uns ein anliegen, da der freund einen bald zehn jahre alten sohn hat... und wir wollten klären, ob er noch kinder will oder nicht mehr.
er meinte, solange sich an der finanziellen situation nichts ändert, wohl eher nicht, und dann hatte er gemeint: es könnte sich vielleicht ausgehen, aber reden wir darüber, wenn wir's mal über's erste jahr geschafft haben.

wir haben daraufhin zwei tage fast nur geweint. wir fühlten uns ohnmächtig, dumm, inkompetent und hielten uns selbst für einen verlierer. denn, wir sind in pension. wir können nicht arbeiten, und so wie's aussieht, wird das auch in nächster zeit nichts werden. wir sind sogar mit dem studium vollkommen überfordert, und das obwohl wir uns maximal zwei vorlesungen im semester zum ziel gesetzt haben. selbst das schaffen wir nicht.

oh seufz.
haben dann lange, lange nachgedacht und noch einmal mit dem freund darüber geredet. und noch einmal nachgedacht. und einige in uns sind sich unschlüssig, ob sie jetzt denn wirklich ein kind wollen oder nicht. und als uns das klar wurde, wurde uns auch klar: solange nicht ALLE, wirklich ALLE in uns für ein kind sind, wird es auch keines geben für uns. denn die zusammenarbeit muss gewährleistet sein. wenn man ein kind groß zieht, gibt's eben kein "ich verabschied' mich mal für'n paar stunden/tage/wochen". und daher wurde auch dieses thema mal ad acta gelegt für den moment.

jetzt ist G bei seinem sohn, der nicht zu uns kann, weil er so eine schlimme tierhaarallergie hat. mit unserem hund und unseren zwei katzen geht das eben nicht.
und wir? wir sitzen alleine zu hause. und uns wurde klar: für G wird es IMMER etwas wichtigeres geben als uns, und das ist sein sohn. und während wir das toll, wichtig und richtig finden, macht es uns doch auch traurig, denn für uns wird es so etwas vielleicht nie geben.

die inneren kinder sind auch traurig. auch weil wir erwachsenen dagegen sind, dass sie, sollte es morgen zu einem zoobesuch mit dem sohnemann kommen, rauskommen. G meinte, das wäre schon okay, aber für uns ist das alles andere als okay. die kinder sprechen in kinderstimme mit kinderausdrücken über kindersachen und haben einen ganz anderen gesichtsausdruck als wir (und riesige augen heh). wir möchten nicht, dass sein sohn etwas bemerkt und dann vielleicht beunruhigt ist.
shana, eins unserer innenkinder war traurig darüber und hat dann G gefragt, ob er wohl einmal nur mit ihr in den zoo gehen würde. und er meinte, ja, das würde er machen.
das hat sie ein wenig beruhigt.
aber ich spüre trotzdem, wie sie traurig sind. darüber, dass georg jetzt bei seinem sohn ist, der nun einmal sein SOHN ist, was sie nicht ganz verstehen, warum sie nicht auch so wichtig sind. sie sind darüber traurig, dass wir hier alleine sitzen. und sie sind traurig, weil es eben niemanden gibt in unserem leben, für den wir die absolute nummer 1 sind (und anscheinend zählt die mutter da nicht, obwohl für garantiert für sie nummer 1 sind. vielleicht weil sie gerade auf 3-wöchigem urlaub ist).

na ja, wir werden sie trösten indem wir uns in decken einwickeln, einen bär umarmen und lesen.
das klappt immer recht gut für sehr viele von uns.

so, genug geschrieben für heute. das war ja schon ein halber roman!

Montag, 16. September 2013

wenn die einsamkeit über einen herein bricht.

Die Mutter ist in Urlaub gefahren.
Das heißt jetzt: drei Wochen ohne tägliches Telefonieren, gelegentliche Besuche und lustiges Herumblödeln.

Ich werde sie vermissen.
Aber ich habe auch Angst. Nicht nur davor, dass ihr in Nepal etwas passieren könnte, sondern auch davor dass ich es nicht schaffe den Haushalt zu schmeißen, einkaufen zu gehen (Lebensmittel kaufen ist für mich fast unmöglich ohne Panik Attacken) UND Angst davor, dass mich/uns die Einsamkeit überwältigen wird.

Wir haben nur S und unseren Freund, G.
S ist eine tolle Freundin. Wir haben ihr auch schon von unserer Not berichtet, da G jeden Abend weg ist diese Woche. S hat super reagiert und wird für uns da sein, damit wir nicht komplett vereinsamen.

Wir haben trotzdem Angst.
In letzter Zeit war die Einsamkeit wieder besonders groß.
Wir sehen G, mit seinem riesigen Bekanntenkreis.
Wir sehen den riesigen Bekanntenkreis von SEINEM Bekanntenkreis (z.B. auf einer Geburtstagsparty eines seiner Bekannten, da waren sicher an die 20-30 Menschen) und fühlen uns irgendwie... unfähig.
Wir sind unfähig Bekannte, geschweige denn Freunde, zu haben und halten.
Wir fühlen uns unfähig als Erwachsener.

Wir sind SO FROH, dass wir jetzt jeden Tag mit Daisy zum Hundespielplatz gehen und uns dort mit zwei Frauen unterhalten können.
Das lindert das Gefühl der Einsamkeit schon um einiges.
Denn die beiden Frauen sind wirklich sehr, sehr freundlich und lieb.

Es ist unsere tägliche Dosis des Anti-Einsamkeits-Gefühls.
Und es sind nur etwa 30-60 Minuten Tratsch und Unterhaltung über Belangloses.
Wie toll so etwas sein kann!

Und nun... Drei Wochen voller Fragezeichen.
Wir werden's schon irgendwie rüberbringen.

Mittwoch, 28. August 2013

switcharoo... wenn die Beweise dafür da sind.

mit unserem Freund wird dermaßen viel geswitcht, dass wir uns schon ganz müde und ausgelaugt fühlten.

den heutigen tag haben wir uns nur für uns genommen. Mal ein wenig in der Wohnung was gemacht, dann ne Stunde schlafen, dann auf den Spanisch Kurs pfeifen, weil der Kursleiter eh nur Monologe hält, obwohl's eigentlich ein *Konversations*kurs wäre, statt dessen ein Bad nehmen, ne Gesichtsmaske auftragen und einfach nur unser Dasein genießen.

Wir haben zur Zeit an die 27 Realities die aktiv sind. Alle wollen sie mit G reden, kuscheln, und einfach nur seine Anwesenheit genießen.
Er hat sich mittlerweile eine Liste gemacht, mit all den Realities, die er kennengelernt hat.
Als unsere - mittlerweile fast schon "ehemalige" - Hauptpersönlichkeit oder Außenpersönlichkeit die Liste gesehen hat, wurde sie fast panisch. Es macht ihr Angst so viele "Beweise" zu haben, dass es uns gibt.
Aber uns geht es im Großen und Ganzen (außer eben der Müdigkeit) sehr, sehr gut damit.
Wir fühlen uns so lebendig wie schon seit Jahren nicht mehr.
Wir sind so unglaublich dankbar jemanden wie G in unserem Leben zu haben, wir freuen uns auf jeden neuen Tag mit ihm.

Also gab's heute eben mal ne "Auszeit" für den Körper, ein paar Wohlfühlsachen zu tun muss auch sein.

Das Leben ist zur Zeit zwar anstrengend, aber schön. :)

Freitag, 23. August 2013

Von sich auflösenden Tumoren und neverending friendships

Ich konnte nicht widerstehen gestern und habe Jae, meiner früheren besten Freundin, eine Freundschaftsanfrage via Facebook geschickt.
Sie hat diese positiv beantwortet und auf meine mitgeschickte PN geantwortet.
Es war ein wunderschöner Austausch.

Ich kann gar nicht sagen, wie glücklich wir im Moment sind. So wunderbar glücklich.

Wir wollen wieder eine vorsichtige Freundschaft mit ihr beginnen.
Aber das alles hat uns so so glücklich gemacht!

Es spielte aber auch noch etwas anderes mit: unsere Freundin, die ebenfalls multipel ist, hat keinen Tumor mehr! Er hat sich aufhin von Bestrahlung und Chemo vollständig aufgelöst!!!!!!!!!!

Wir hatten so ein Riesen-Grinsen im Gesicht, als sie uns das via Facebook mitteilte.

Warum läuft heutzutage eigentlich alles über Facebook? lol.

Wir möchten feiern. Mit S, unserer Freundin, und wegen Jae.

Wir planen schon einen Besuch nach Amerika, ohne Jae vorher überhaupt gefragt zu haben. Aber ich weiß, dass wir gewisse Dinge einfach nur persönlich klären können.

vielleicht geht es sich nächstes Jahr mal aus.

Wir sind ein Bündel fröhlicher Energie innerlich. Auch wenn's von Außen wahrscheinlich anders aussieht. Es ist einfach zu schön um wahr zu sein.

Things are falling into place.


Donnerstag, 1. August 2013

lebenswillen

Manchmal fehlt er uns ein wenig, der Lebenswillen.
Es ist so schwer hier alleine in der Wohnung zu sitzen, und nicht zu vergessen, dass da draußen auch noch Freude exisitiert.
In unserem Kopf exisitert der Terror der Vergangenheit noch so real, manchmal realer als die Welt, die es außerhalb dieser Wände gibt.
Wenn wir dann aus dem Fenster blicken, sehen wir oft keine Straßen mit spazierenden Menschen, keine Straßenbahnen, keine hohen Häuser.
Wir sehen statt dessen die Bäume im Garten der Großmutter. Wir hören Schreie der Urgroßmutter, wir hören Schreie unserer Cousinen. Wir fühlen unsere Tränen auf den Wangen, statt der Trockenheit, die jetzt auf unserer Haut ist. Eine Realität überlappt mit der anderen und wir wissen nicht, ob wir der Hölle unserer Kindheit wirklich je entkommen sind, je entkommen können.

Wir werden weiter leben, aber welchen Preis zahlen wir, mit den täglichen Flashbacks, mit dem täglichen Überlebenskampf? Uns wurde unsere Freude gestohlen, und die Menschen da draußen sehen oft nur die Narben, die dieser Kampf hinterlassen hat.

Wir sind heute freudlos.

Dienstag, 30. Juli 2013

einsamkeit trotz der vielen leute im kopf?

als nicht-multiple/r fragt man sich vielleicht manchmal, wie jemand einsam sein kann, wenn er/sie doch soooo viele menschen hat, die mit einem/r den kopf teilen.

oh ja es ist einsam. es ist so einsam.

ich sitze hier, während mein freund in deutschland auf urlaub ist, und frage mich, wieso die einsamkeit so dermaßen an mir nagt.
und ich weiß einige antworten. eine davon ist sicherlich: weil er uns sieht. weil er versteht, was wir sind.

und das ist es, was uns heute abgeht, und gestern abging.

die tage ohne ihn sind lang. die nächte ohne ihn verwirrend. es ist einsam.

die leute innen wollen gesehen werden. wollen als menschen gesehen werden, wollen genauso von jemandem außen gehalten und verstanden werden, wie alle anderen menschen eben auch.
ja, es ist einsam.

aber das alleine ist es nicht, was uns so einsam fühlen lässt.
es ist auch die schweirigkeit anderen menschen zu begegnen, wenn wir doch so so viele narben haben.

wir tragen unseren schmerz auf unserer haut. wir sind über die selbstverletzung "noch nicht hinweg". wir tragen unsere wut auf unserer haut. wir sind oft so zornig, dass wir glauben explodieren zu müssen.

und es ist nicht nur eine innenperson, die sich selbst verletzt. es sind einige.

es macht uns auch einsam, dass die menschen in unserer umgebung nicht wissen, wie sie dem schmerz und dem zorn, den wir auf unserer haut tragen, begegnen solllen.

wir wollen in die welt hinausschreien: JA, wir haben schmerz erlebt. JA, wir sind oft so überfordert mit unseren gefühlen, dass wir nicht mehr wissen, wie wir mit ihnen umgehen sollen. JA, es gab sehr oft sehr furchtbare momente in unserem leben. ABER: wir sind trotzdem menschen. wir sind nette menschen, wir lieben, lachen und leben genauso gerne wie viele andere! wir sind nicht dermaßen anders als ihr!

die therapeutin (die jetzt glücklicherweise wieder da ist!!!) hat gemeint, wir sollten vielleicht genau dies tun. es konfrontativ ansprechen. die leute mit dem, was sie sowieso sehen, konfrontieren und sie "zwingen" darüber zu sprechen.

zu viel distanz zu uns, weil wir schmerz erlebt haben. es macht uns so einsam.
und da hilft es nichts, dass wir viele sind.
wir braucht AUCH bestätigung von unseren mitmenschen. wir brauchen AUCH freundschaften und bekanntschafen. so wie jeder mensch da draußen eben auch.

Sonntag, 28. Juli 2013

die zeit ohne freund aber mit thera und psychiaterin

heute beginnt eine woche ohne freund, aber dafür habe ich am dienstag endlich meine therapeutin wieder! und am mittwoch sehe ich meine psychiaterin wieder. :)

um die zeit zu überbrücken, in der mein freund weg ist, habe ich mir von ihm viele filme und serien ausgeborgt.

außerdem werde ich nächste woche viel bei meinem ehrenamtlichen job gebraucht.

es wird schon gut gehen.


Donnerstag, 25. Juli 2013

der tod.

ich habe mich in meinem leben schon viel mit dem tod auseinander gesetzt. mit meinem. mit dem meiner mutter, als ihre thrombose in die lunge wanderte, die zum glück gut behandelt werden konnte!! mit dem meiner urgroßmutter, die gestorben ist wie ich dreizehn war.
mit dem tod eines freundes, weil wir so oft angst um ihn haben.
und nun steht er da, vor meiner tür und winkt.
meine freundin, die ebenfalls multipel ist... wird sie die chemo gut überstehen?
jerry, gestorben am 5. juli.
und nun ist ein chat-freund von uns gestorben am 22. Juli.

der letztere tod kam überraschend. er war noch nicht alt. wir wissen nicht, wie es zu seinem tod kam. es scheint kein selbstmord gewesen zu sein... aber alle im chat sagen, sie wissen noch nichts genaues (und werden es vielleicht nie erfahren).

wir sehen das jetzt mal ein wenig "positiver" und denken uns: das ist ein thema, dem wir uns stellen müssen.
negativ gesehen fragen wir uns natürlich schon: warum jetzt? warum SO gehäuft?

wir wollen nicht, dass unsere freundin stirbt. wir wollen nicht, dass jerry oder der chat-freund tot ist.
wir wollen das alles nicht.
aber der tod gehört zum leben. ist sein spiegelbild, vielleicht. wir atmen und sterben jeden tag ein wenig mehr, nicht wahr?
wir hoffen unsere freundin hat noch ein langes, langes und schönes leben vor sich.
aber wissen kann man es eben nicht.


Montag, 22. Juli 2013

Tired.

Das viele Switchen macht uns alle so unglaublich müde.
Wir haben eine die nennt sich einfach nur Tired... wir überlegen ob wir's nicht ins Spanische übersetzen, also Cansada, weil's dann mehr wie ein Name klingt, aber wir wissen noch nicht ob ihr das auch gefällt.

Tired ist müde. Müde vom Leben. Und so traurig.

Wir haben alle eine schwere Zeit im Moment.
Zuerst die Krebs Diagnose unserer Freunde, dann Jerrys Tod - und das alles ohne Therapeutin, ohne Psychiaterin. Die Therapeutin ist im Krankenhaus und ist hoffentlich nächste Woche wieder fähig zu arbeiten (hoffentlich!!!) und die Psychiaterin war im Urlaub und wir haben Ende der Woche einen Termin bei ihr.

Wie wir das alles noch schaffen, ist uns selbst nicht ganz klar.
Irgendwie hat eine Art Überlebensautomatismus begonnen. Wir machen unseren Haushalt so gut wie möglich (manchmal mehr schlecht als recht), wir essen, wir trinken, wir schlafen, wir wachen auf, und so weiter und so fort.
Aber die Müdigkeit ist überwältigend.
Alles so unglaublich anstrengend.

Wir hoffen diese schweren Zeiten gut überstehen zu können.